Wenn du einen höheren Lohn möchtest, kannst du zu deinem Arbeitgeber gehen und einen höheren Lohn fordern oder darüber verhandeln, richtig?

Dein Arbeitgeber wird sagen: "Du hast deinen Arbeitsvertrag unterschrieben, damit hast du dich mit diesem Lohn einverstanden erklärt. Warum solltest du jetzt mehr bekommen? Du arbeitest nicht mehr, oder?"

Vielleicht sagt dein Arbeitgeber auch: "Niemand hier bekommt mehr Lohn als x € pro Stunde. Wieso sollte ich dir jetzt mehr als allen anderen zahlen? Arbeitest du besser als alle anderen?"

Dein Arbeitgeber sagt dir vielleicht, dass du ersetzbar bist und gerne woanders Arbeit finden kannst, wenn du nicht mehr mit dem Lohn einverstanden bist.

Aber es gibt da einen Trick, den manche Arbeitgeber hassen: Kollektive Lohnverhandlungen.

Vorweg: Nicht alle Arbeitgeber hassen diesen Trick. Es gibt Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter respektieren und wollen, dass es ihnen gut geht. Daher wollen sie einen fairen Wettbewerb, und einen Mindestlohn, an den sich alle Unternehmen in der Branche halten müssen.

Aktuell 2021 beträgt der Mindestlohn für Radbot*innen 8,90€ pro Stunde bzw. 1539,98 € für eine Vollzeitstelle. Der Mindestlohn ist nicht vom Gesetz vorgegeben, sondern steht im Kollektivvertrag für Fahrradbotendienst.

Dass sich alle Unternehmen einer Branche an den Kollektivvertrag zu halten haben, das steht im Arbeitsverfassungsgesetz.

Dieses gilt nur für Echte Dienstnehmer, also Kolleg*innen mit einem Arbeitsvertrag, aber nicht für Freie Dienstnehmer oder Selbstständige.

Wenn nun ein Kollege mit dem echten Arbeitsvertrag schon seit mindestens einem Jahr im Unternehmen ist, bekommt er jetzt Ende November auch das sogenannte Weihnachtsgeld. Auch das steht nicht im Gesetz, sondern im Kollektivvertrag (KV).

Auch der Mindestlohn steht im Kollektivvertrag. Ohne Kollektivvertrag gibt es keinen Mindestlohn und kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Der Kollektivvertrag wird jährlich neu verhandelt. Dabei verhandelt die Gewerkschaft auf Seite der Arbeitnehmer*innen und die Wirtschaftskammer auf Seite der Arbeitgeber*innen.

Als erfolgreiches und faires Resultat steigt der Lohn meist mit der Inflation oder mit den Lebenserhaltungskosten, idealerweise aber auch mit dem Wachstum und dem Erfolg der Branche. Allerdings hängt ein gutes und faires Resultat leider gar nicht so sehr davon ab, ob die Branche erfolgreich war oder besonders stark gewachsen ist, oder sich in Krisenzeiten als unverzichtbar herausgestellt hat, sondern es hängt hauptsächlich von der Stärke der Gewerkschaft ab. Je mehr Mitglieder die Gewerkschaft in dieser Branche hat, desto stärker ist ihre Verhandlungsposition. Wenn die Arbeiter*innen nicht hinter den Verhandlungen stehen, fühlen die Arbeitgeber überhaupt keinen Druck, den Forderungen der Gewerkschaft nachzugeben. Arbeitgeber*innen finden es nämlich nicht selbstverständlich und fair, dass das Wachstum und der Erfolg einer Branche oder die Relevanz eines Berufs sich auch im Lohn der Beschäftigten niederschlagen sollte.

Was wollen wir erreichen?

Es gibt natürlich viel zu wollen. Das Kilometergeld ist immer noch eher niedrig, und nachdem wir doch den Gefahren des Straßenverkehrs bei jeder Witterung ausgesetzt sind und oft viel Gewicht auf unseren Rücken tragen, wäre eine Erschwerniszulage schön. Nachtzuschlag oder Sonntagszuschlag ist angebracht, denn die Zeit, zu der auch unsere Liebsten Zeit haben und das meiste Freizeitprogramm stattfindet, ist teuer. Vor allem jedoch ist unser Grundlohn sehr gering. Den bekommen wir nicht nur im Krankenstand und Urlaub, sondern nach dem richtet sich auch unser Arbeitslosengeld oder Karenzgeld und später die Pension. Langfristig ist es also das wichtigste, den Grundlohn zu erhöhen.

Was kannst du tun um die Verhandlungen zu unterstützen?

Da gibt es mehrere Möglichkeiten, je mehr du davon nutzt umso besser :) Wir empfehlen diese Reihenfolge:

1.) Werde Gewerkschaftsmitglied! 

2.) Folge uns auf Facebook, Instagram oder Twitter, oder kontaktiere uns per E-Mail; komm zu unseren Veranstaltungen und lern deine Kolleg*innen kennen!

3.) Sprich mit Kolleg*innen darüber, zeig oder gib ihnen unseren Flyer, und lade sie in unsere Chat-Gruppen ein!

4.) Kommt am Verhandlungstermin vor die Türen oder Fenster der Verhandlung und zeigt euren Support!

Was bringt gewerkschaftliche Organisation?

2016 haben wir begonnen uns als Rider bei foodora zu organisieren. Damals war der Lohn 7,38 € / h.
Das Management von foodora hat den Lohn am KV Kleintransport orientiert und das war auch vertraglich so festgelegt. Somit gab es auch 14 Gehälter, obwohl es noch keinen KV für Fahrradbotendienst gab. Das Kilometergeld waren damals 0,76 cent pro Bestellung.

Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: mindestens 17874,36 €
FD bei foodora bekamen  4 € pro Stunde + 2 € pro Bestellung. 0,76 € Kilometergeld pro Bestellung waren in den 2 € inkludiert.


2017 haben wir bei foodora den ersten Betriebsrat der Branche gegründet. Der Stundenlohn nach dem KV Kleintransport ist auf 7,56 €/ h gestiegen, und somit auch die Stundenlöhne bei foodora. Das Management hat aber auch gelernt, dass es keine 14 Gehälter und keine Lohnerhöhung zahlen muss, wenn es keinen KV für die Branche gibt. Kolleg*innen die im Sommer 2017 als Echte Dienstnehmer begonnen haben, bekamen einen neuen Arbeitsvertrag, worin der KV Kleintransport nicht erwähnt war, und ohne 14 Gehälter. Allerdings gab es nach einem Jahr neine Bonuszahlung von einem Monatsgehalt gab, wenn der Rider immer zuverlässig gearbeitet hat und nie zu spät zur Arbeit gekommen ist.

MIT KV: Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: mindestens 18310,32 €
OHNE KV: Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: 17002,44 €
FD bei foodora bekamen  4 € pro Stunde + 2 € pro Bestellung. 0,76 € Kilometergeld pro Bestellung waren in den 2 € inkludiert.

2018 stieg der Lohn des Kleintransports auf 7,96 € / h. Die Löhne der Kolleg*innen mit Vertrag nach August 2017 stagnierten bei 7,56 €.
Die Freien Dienstnehmer bekamen  4 € pro Stunde + 2 € pro Bestellung. 0,76 € Kilometergeld pro Bestellung waren in den 2 € inkludiert.
MIT KV: Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: mindestens 19279,12 €
OHNE KV: Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: 17002,44 €

FD bei foodora bekamen 4 € pro Stunde + 2 € pro Bestellung. 0,76 € Kilometergeld pro Bestellung waren in den 2 € inkludiert.

2019 war der Lohn bei 8,30 €/ h für Rider mit altem Vertrag. Die Kolleg*innen mit Vertrag nach August 2017 bekamen weiterhin 7,56 €.
Die Freien Dienstnehmer bekamen  4 € pro Stunde + 2 € pro Bestellung. 0,76 € Kilometergeld pro Bestellung waren in den 2 € inkludiert.
MIT KV: Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: mindestens 20101,60 €
OHNE KV: Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: 17002,44 €
FD bei foodora bekamen 4 € pro Stunde + 2 € pro Bestellung. 0,76 € Kilometergeld pro Bestellung waren in den 2 € inkludiert.

2020 haben wir endlich zum ersten Mal unseren KV für Fahrradbotendienst verhandelt,mit einem Stundenlohn von 8,71 €/h. Das Gehalt war immer noch am KV Kleintransport orientiert, aber das Kilometergeld hat sich geändert: Wir sollten tatsächlich pro Kilometer bezahlt werden und nicht pro Bestellung. Dafür betrug das Kilometergeld nur 0,14 € / km. Der Kollektivvertrag ist für alle gültig, egal wann sie ihren Vertrag abgeschlossen haben.
foodora wurde zu Mjam und als Reaktion auf den KV wurde auch das Lohnschema für Freie Dienstnehmer "wettbewerbstauglicher" gemacht.
Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: mindestens 21095,62 €
FD bei mjam bekommen seither 4 € pro Bestellung mit einer Garantie von 2 Bestellungen pro Stunde. 0,76 € KM-Geld pro Bestellung sind inkludiert.
Brutto-Jahreslohn bei durchgehender Arbeit von 40 pro Woche ohne Urlaub oder Krankenstand: mindestens 13478,40 €

2021 haben wir unseren KV zum zweiten Mal verhandelt, und dabei erstmals einen höheren Lohn erreicht als der KV Kleintransport, nämlich 8,90 € / h oder 1539,89 € für 40 h. Außerdem haben wir das Kilometergeld auf 0,24 € / km gehoben.
Vollzeit-Brutto-Jahreslohn ohne KM-Geld: mindestens  21559,72 €
Die FD bei mjam bekommen weiterhin 4 € pro Bestellung mit einer Garantie von 2 Bestellungen pro Stunde. 0,76 € KM-Geld pro Bestellung sind inkludiert.
Brutto-Jahreslohn bei durchgehender Arbeit von 40 pro Woche ohne Urlaub oder Krankenstand: mindestens 13478,40 €

Das Wachstum unseres Lohns entspricht oft gerade einmal der Inflation, aber noch nicht dem Wachstum der Branche. Besonders die Plattform-Unternehmen boomen und verzeichnen großes Wachstum an der Börse. Wir sehen: Da geht noch mehr.

Unterstütze uns bei den Verhandlungen; erhöhen wir die Löhne!